Einleitung / Voraussetzungen Während es der Chaser am Tage eher auf tolle Wolkenformationen anlegt, haben nächtliche Gewitter eine ganz andere Magie. Nachts ist die Zeit der Blitzfotografie, zu kaum einer anderen Zeit kommt das Himmelsfeuerwerk so schön zur Geltung wie zur dunklen "Tageszeit". Nächtliches Sturmjagen mit Core-punch, usw. halte ich persönlich sowieso für ein gewagtes Unterfangen, da man nachts kaum etwas erkennt und einem auch alle Warnzeichen des Himmels verwährt bleiben. Doch was braucht man überhaupt, um das Himmelsfeuer in Bildern festhalten zu können? Wie ist die grundlegende Vorgehensweise? Welche Einstellungen sind an der Kamera zu treffen? Alles Fragen, die auch ich mir Anfang 2003 stellte, als ich meine ersten Versuche, extreme Wetterereignisse und somit auch Gewitter im Rhein-Neckar-Kreis zu dokumentieren, hinter mir hatte. Zwar hatte ich schon mein ganzes Leben mit dem Wetter zu tun, doch meine erste Kamera hielt ich erst im Juni 2002 in der Hand. Eine ganz einfache Kodak Digitalkamera ohne manuelle Einstellmöglichkeiten und damit ausreichend für Schnappschüsse, aber völlig ungeeignet um auch nur einen Blitz je auf den Chip zu bekommen. Wenden wir uns nun also dem ersten Wichtigsten, aber auch teuersten Punkt der Ausrüstung zu, der Kamera: Folgende Ausstattung sollte eine Kamera besitzen, um für die Blitzfotografie tauglich zu sein: - manuell einstellbarer Fokus
- manuelle ISO-Norm Einstellung
- manuelle Blendenwahl
- manuelle Belichtungszeiteinstellung (man sollte mindestens 10 Sekunden belichten können) All diese Faktoren sollten manuell und gleichzeitig (also im selben Programm der Kamera) steuerbar sein. Auf den meisten Digitalkameras muss man das Programmrad hierzu auf "M" stellen. Sehr viele auch etwas günstigere Digitalkameras besitzen diese Möglichkeit in der Zwischenzeit. Bei Kameras, die weniger als 10 Sekunden belichten können, ist die die hier beschriebene Vorgehensweise zwar auch möglich, allerdings fotografiert man sich oft die Finger wund. Noch zwei Tipps zum Thema Belichtungszeit für alle, die einen Kamerakauf planen (wenn die Kamera für die Blitzfotografie geeignet sein soll):
1.) Eine Kamera wählen, die möglichst lange Belichtungszeiten zulässt (mind. 30s oder noch besser "B" = Bulb -> solange man möchte).
2.) Achtet darauf, dass sich die Rauschunterdrückung der Kamera abschalten lässt. (Digitalkameras belichten nach, um Bildrauschen beiLangzeitbelichtungen zu mindern. Diese Nachbelichtung dauert etwas länger als die eigentliche Belichtung und legt die Kamera für diese Zeit lahm). Man mindert also die Erfolgschancen auf ein Blitzfoto um über 50%, wenn sich diese Funktion nicht abschalten lässt. Nicht erwähnenswert scheint die Tatsache, dass eine Digitale Spiegelreflexkamera (z.B. Nikon D70, Nikon D100, Canon 20D, Canon 350D) für knapp/mehr als 1000 € bessere Bildergebnisse, besonders bei Langzeitbelichtung, erzielt, als eine recht günstige Kompaktkamera (z.B. Minolta Dimage Z1).
Zweites nur schwer zu ersetzendes Zubehör ist ein Stativ. Zwar kann man zur Not die Kamera auch z.B. auf einen Gegenstand legen und justieren, wer aber wirklich ernsthafte Blitzfotografie betreiben will, kommt um den Kauf eines Stativs nicht herum (am besten ein stabiles 3-Bein-Stativ). Wer die geeignete Kamera und ein Stativ besitzt, hat die grundlegendste Ausrüstung bereits zusammen. Die nun folgenden Ausrüstungsgegenstände haben sich in den letzten 2 Jahren als sehr nützlich erwiesen und haben damit eine Berechtigung in meiner Ausrüstung gefunden, sind aber nicht zwingend notwendig. - Gegenlichtblende > schützt vor Regentropfen auf der Linse
- Fernauslöser > gegen Verwacklung der Bilder beim Auslösen der Kamera
- Abdeckung für die Kamera > schützt Kamera vor Beschädigung durch Regen
- Ministativ (Kamera lässt sich so im Auto aufbauen) Noch ein kleiner Tipp für die Arbeit ohne Fernauslöser: Es ist auch möglich die Kamera über den Selbstauslöser zu starten, allerdings verliert man auch hierbei die Zeit bis die Kamera auslöst, zudem ist es in der Regel kein Problem auf einem stabilen Stativ die Kamera mit etwas Gefühl ohne Verwackeln auszulösen. Standortwahl Die Standortwahl stellt den Blitzfotografen oftmals vor echte Probleme. Es gilt einen Standort zu finden, der im Idealfall folgende Punkte erfüllt: - kein Regen
- keine störenden Lichtquellen (z.B. nahe vorbeifahrende Autos, die mit ihren Scheinwerfern in die Kamera strahlen können) - gute Sicht auf das Gewitter - guter Abstand zum Gewitter (Sicherheitshinweise beachten!!) - bei ziehenden Gewittern sollte die Zelle nicht auf einen zuziehen, sondern eher seitlich vorbei! (erhöht die effektive Zeit um Bilder zu machen erheblich) - das Auto sollte in direkter Umgebung zum Schutz bereitstehen
Alle Faktoren lassen sich nur selten verwirklichen, es sollte aber immer unbedingt die Sicherheit im Vordergrund stehen. Besonders Personen, die noch unerfahren mit Gewittern sind, sollten die Situation nicht unterschätzen. Dazu aber später noch etwas mehr.
Aufnahmetechnik Nehmen wir den Traum jedes Fotografen an; eine stehende, äußert aktive und stabile Zelle tobt sich in sicherer Schlagdistanz zu unserem idealen Standort aus. Natürlich kann jetzt niemand das Patentrezept für rundum gelungene Bilder liefern, dazu ist jede Gewittersituation einfach zu eigen. Es gibt aber einige feste Einstellungen sowie "Richtwerte", mit denen es ganz sinnvoll sein kann zu beginnen. Nach einigen Gewittern entwickelt man aber recht schnell ein Gefühl für die Situation und findet ohne große Probleme die richtigen Einstellungen der Kamera heraus. Hier nun meine Erfahrungswerte zu den Einstellungen, wenn man die Kamera endlich auf sein Stativ geschraubt hat und das Objektiv auf das Gewitter gerichtet ist ... 1.) Fokus > Der Fokus ist immer auf "unendlich" einzustellen. Bei Spiegelreflexkameras kann man auch manuell auf weit entfernte Lichter wie z.B. eine Straßenlaterne scharfstellen. Die Einstellung auf "unendlich" erscheint logisch, da ein Blitz, den man scharfstellen müsste, eine zu nahe,lebensgefährliche Angelegenheit wäre!
2.) ISO-NORM > Allgemein gilt mit der tiefsten ISO-Norm zu arbeiten um das Bildrauschen möglichst niedrig zu halten. Die einfallende Lichtmenge sollte so weit wie möglich über die Blende gesteuert werden. Typische ISO-Normen im tiefen Bereich liegen je nach Kamera zwischen ISO 50 bis ISO 200.
3.) Blende > Die Blende steuert wie gesagt das einfallende Licht und somit die Lichtintensität, die auf den Sensor trifft. Bei einem Gewitter mit mittlerer Entfernung beginne ich meist bei Blendenwerten (bei ISO 100) von F 4.0 bis F 4.5. Ist das Bild unterbelichtet (zu dunkel, Blitz nicht oder kaum zu sehen), ist die Blende weiter zu öffnen (Werte werden kleiner, z.B. F 2.8), im ungekehrten Fall (Bild überbelichtet, zu hell) ist die Blende weiter zu schließen (z.B. F 6.0). Tipp: Bei der Einstellung der Blende sollte man sich auf die durchschnittliche Blitzhelligkeit konzentrieren und nicht von Einzelnen helleren (näheren, stärkeren) oder dunkleren Blitzen (weiter entfernt, verdeckt) zum ständigen Wechseln der Einstellungen verleiten lassen.
4.) Verschlusszeit > Die Verschlusszeit passt man meist der aktuellen Situation an. Blitzt es häufig und man will nur einzelne Blitze im Kasten haben, empfehlen sich kürzere Verschlusszeiten. Bei blitzarmen Gewittern kann man durchaus bis zu 2 Minuten belichten und so zum Glückserlebnis kommen. Es ist aber darauf zu achten, dass das Bild auf Grund einer zu langen Belichtungszeit nicht überbelichtet wird (besonders wenn es noch nicht 100%ig dunkel ist).
Wer nicht ständig den Bildausschnitt ändert, kann später am PC die Bilder übereinander rechnen lassen und erhält wie im Bild oben die Gewitterstimmung aus 6 mal 30 Sekunden, also 3 Minuten.
Wer also über die grundlegenden, fotografischen Kenntnisse wie Blende, Verschlusszeit, usw. verfügt, sollte nach ein paar Versuchen brauchbare Ergebnisse erhalten. Wer genaueres über die Funktionsweise von Kameras nachlesen möchte, findet mit den passenden Stichworten in diversen Suchmaschinen wie www.google.de allerhand Informationen zum Thema.
Sicherheit Fürs Sturmjagen und damit auch für die Blitzfotografie gibt es keine zwingenden Prüfungen, die zum Jagen berechtigen. Im Grunde ist es jedem möglich sich ins Auto zu setzen und auf gut Glück loszufahren. Für sinnvoll kann ich dieses Verhalten aber keineswegs halten, wer Chasen möchte, sollte sich unbedingt das nötige Fachwissen über Gewitter und besonders deren große Gefahren aneignen. Fachwissen ist in diesem Fall nicht nur Sicherheit, sondern erhöht grundlegend die Chancen eine Sturmjagd erfolgreich und zufrieden stellend abzuschließen. Ich möchte mich hier allerdings nur auf Punkte, die sich besonders auf die nächtliche Blitzfotografie beziehen, äußern. - Blitze können vereinzelt schon weit vor der Gewitterwolke einschlagen (mehrere Kilometer!!). Eine klar definierbare Grenze zu ziehen halte ich für nicht möglich.
- Auf Neuentwicklungen über dem eigenen Kopf achten. Es kann durchaus passieren, dass sich ein neues Gewitter direkt über dem eignen Kopf bildet. Wenn dies unbemerkt passiert, kann es gefährlich werden!
- Sicherheitsabstand zur Zelle einhalten und rechtzeitig bei Annäherung der Zelle das Feld räumen.
- Weg zum Auto zeitlich einplanen, am besten das Auto als Schutz direkt am Standort parken.
- Sollte man unter ein aktives Gewitter geraten, sind Senken zu meiden (Überflutungsgefahr), ebenso sollten keine umsturzgefährdenden Gegenstände in der Nähe sein (z.B. hohe Bäume)!
- Unter einem aktiven Gewitter ist das Auto nicht zu verlassen! Fenster und Türen sollten zum Fotografieren und Filmen geschlossen bleiben!
Wir sehen diese Liste nie als vollständig an! Ergänzungen möglich, auch von anderen Sturmjägern gerne erwünscht. Kontakt -> info@gewitterfront.de Alle diese Punkte sind keine Garantie, dass nichts passieren kann, erhöhen aber wesentlich die Sicherheit. Sollte man ein ungutes Gefühl bei einem der Punkte oder aus einem anderen Grund haben, ist es besser, einmal zu früh abzubrechen als einmal zu spät. Wir wünschen allen, ob vom heimischen Balkon aus oder von draußen, viel Glück und Erfolg. :) |