Von genutzten und ungenutztem Potential - Gewitterimpressionen
(Bericht, 19. Juli bis 07. August 2008)


Bemerkung: Um Diskussionen vorzubeugen – alle Bilder wurden aus dem RAW-Format entwickelt und somit über die EBV einer Bearbeitung unterzogen. Um Motive mit hohem Dynamikumfang zu realisieren kommt zusätzlich bei einigen Bildern DRI zum Einsatz.


Unser letzter Bericht zur Gewittersituation im näheren Umkreis ist inzwischen schon wieder fast einen Monat her, höchste Zeit den Blick auf die vergangenen 3 Wochen zu richten. Bis Ende Juli bekamen wir nur kleinere Häppchen vorgesetzt und es machte sich Zwecks vieler unnötig gefahrener Kilometer ein wenig Ernüchterung breit.

Aber der Koch in der Wetterküche steigerte sich, soviel vorweg und schaffte es aus dem vorhanden Potential immer schönere Gerichte zu kochen. Die Chasings waren teilweise sehr stressig, mit sehr wenig Zeit um wirklich gute Plätze zum fotografieren zu finden, also mussten wir dieses mal etwas von unseren Fotografischen Ansprüchen zurücktreten.

 

19. Juli 2008 - Dynamisches Nachtgewitter an der Albkante

Am späten Abend deutete eine Kette aus CB-Schirmen auf eine aufziehende Gewitterlinie hin. Schnell wurden wir auf eine Zellentwicklung im direkten Vorfeld der Linie an der Albkante aufmerksam und machten uns berechtigte Hoffnungen eventuell das ein oder andere Blitzfoto erhaschen zu können. Zwar hatte die Zelle eine hohe Zuggeschwindigkeit doch sollte das Gewitter ,nördlich von uns, die Albkante entlang ziehen. Aus dem Feuerwerk wurde nichts, besser gesagt die Blitzfrequenz war sehr niedrig und die Details der Blitze meist verdeckt.


Trotzdem war die Zelle, die durch die Mondbeleuchtung einige Details zeigte, sehr interessant zu beobachten und machte einen sehr dynamischen Eindruck.

Man konnte deutlich die laminare Grenze zum Outflow der Zelle beobachten, rechts im Bild sieht man deutlich eine Absenkung im Bereich des Aufwindes welche über die gesamte Beobachtungszeit sichtbar war.

Das Ganze wirkte sehr geordnet - hier noch ein Bild des Aufwindes.

 

20. Juli 2008 - Hagelgewitter bei Bollingen

Nachdem wir erst einer Zelle vergeblich nach Osten gefolgt waren konnten wir kurz darauf eine kräftige Gewitterentwicklung nördlich von Bollingen beobachten.

Das Gewitter zog mit einem kurzen heftigen Kern über uns hinweg. Der Wind erreichte etwa Spitzen von 70-80Km/h und in den Starkniederschlag war Hagel bis 1,5cm eingelagert.

26. Juli 2008 - kräftige Gewitter mit Hagel auf und nördlich der Albhochfläche

An diesem Tag bildeten sich einige sehr schöne CB´s die wir von Bermaringen aus fotografieren konnten. Beim heranfahren an das Gewitter konnte man deutlich Bereiche mit hellen Fallstreifen ausmachen die auf Hagel hinwiesen. die Gewitter verlagerten sich in den Raum Stuttgart wo wir deutliche Hagelspuren entdecken konnten. Teilweise lag auch aufgeschwemmter Hagel am Straßenrand der schätzungsweise ca. 1 bis 2,5cm Durchmesser hatte. Leider blieben kurz darauf gefrustet im Stau hängen :(!

Gewitterentwicklung auf der Albhochfläche ...

Neuentwicklungen etwas später an der Albkante ...

27. Juli 2008 - kurzlebige Gewitter über der Alb

Die Gewitter waren nicht gerade langlebig an diesem Tag im Bereich der Alb. Einige Gewitter stellten Paradeexemplare von einfachen Luftmassengewitter dar - kräftiger Aufwind, 5 mal Blitz und Donner und dann ausregnen.

28. Juli 2008 - heftiges Hagelgewitter bei Biberach

Es war ein Tag der endlosen Versuche, immer wieder entwickelten sich Gewitter, die aber wie verhext immer vor unserer Nase verhungerten. Die Aktivität war zunächst eher auf die Gebiete der Alb beschränkt.

Gewitterzelle westlich von Bad Urach ...

Gegen Nachmittag und Abend verlagerte sich der Schwerpunkt nach Oberschwaben und wir konnten endlich ein Erfolgserlebnis feiern. Eine kräftige Hagelzelle mit bis zu 3cm großen Körnen entwickelte sich praktisch genau über uns.

Kräftiger Aufwind bei Biberach, viele nahe Einschläge zu dieser Zeit ...

Schöne Struktur :) ...

Kurz bevor der Hagel kam ...

Wir wollten eigentlich noch ein wenig vor der Zelle bleiben doch die Straßenlage ließ es nicht zu. Heftige Windböen und Starkregen mit 1,5 cm Hagel setzten ein. 3-4 mal hörte man es auf dem Dach überdurchschnittlich laut aufhämmern, auch auf der Straße sah man einzelne Körner mit ca. 2,5 cm Größe aufschlagen. Auf dem Heimweg durchkämmten wir das Gebiet noch ein wenig und fanden stellenweise 35 Minuten nach dem Gewitter noch einzelne 1-1,5cm Größe Hagelkörner vor. Es ist sehr realistisch das hier durchaus Hagel um 3 cm gefallen war.

29. Juli 2008 - Superzellenverdacht

Auch an diesem Tag wollten die Zellen zunächst nicht richtig in die Höhe. Obwohl die Aufwinde recht gut geschert in den Himmel schossen verhungerten sie recht schnell wieder. Dass trotzdem ordentlich Energie in der Luft lag bewies ein kurzes Gewitter, mit einem explosionsartigem Aufwind, welches gleich 2cm Hagel produzierte.

Am Abend explodierte die Luft förmlich, zunächst schoss eine viel versprechende Zelle östlich von Bermaringen in die Höhe. Als wir uns für die Zelle entschieden hatten gingen auch an der Albkante mächtige Aufwinde in den Himmel. Wir blieben aber an unserer Zelle dran, die Zellen an der Alb sollten später großen Hagel in Massen produzieren (um 5cm Durchmesser).

Auf unserer Verfolgungsjagd der Zelle wurden wir schnell auf eine Absenkung unterhalb des Aufwindes aufmerksam. Die Zelle und die Absenkung zeigten Rotation. Die Wallcloud ließ über 50 Minuten konstant beobachten. Die Zelle produzierte helle Fallstreifen die auf ausfallenden Hagel hinwiesen und das über den kompletten Beobachtungszeitraum. Von den optischen Merkmalen ist hier an klarer Superzellenverdacht geben.

Hier einige Bilder die auf den Zwischenstopps entstanden sind.

Entstehende Aufwinde östlich von Bermaringen ...

Rasante Entwicklung der Zelle ...

Entwicklung der tiefen sehr dynamischen Absenkung ...

Zwischendurch lohnte sich der Blick zum Alpenrand wo mächtige CB´s entstanden ...

Toll anzuschauen :) ...

Nun hatte die Zelle allerdings ihren Höhepunkt überschritten ...

Panorama der Zelle ...

Das System lief aus und erreichte uns noch mit heftigem Wind und 1-2cm Hagel ...

Noch ein paar Impressionen auf dem Rückweg ...

30. Juli 2008 - Nachtgewitter von der Hochsträß und auf der Alb

In der Nacht gab es teils kräftige Nachtgewitter - leider mit wenig sichtbaren Entladungen. Das Erste Gewitter zog etwas zu weit Entfernt südlich der Hochsträß an uns vorbei, das Zweite kam uns zu schnell zu nahe, so wie Nachtgewitter nun mal sind ;). Trotz allem haben wir doch ein paar Bilder hinbekommen.

01. August 2008 - Schlechte Ausbeute

In kurzen Worten - es sollte ne SUPER Lage werden - Ergebnis - kaum Ausbeute! 5 Zellen gechased und kaum fotogenes :(!

07. August 2008 - Dynamik PUR!

Dieser Tag geht als ein Highlight in das Jahr 2008 ein, vom Erlebten wirklich ein klasse Tag.

Wir werden an dieser Stelle nur kurz das gesehene beschreiben, die Bilder sprechen oft für sich und runden diesen Bericht sehr gut ab. Eines vorweg der Tag zeigte uns einige Super(-)Zellen am Himmel.

Entfernte Zelle an der Alb ...

Bereits die Erste Zelle zeigte klare Zeichen von Rotation, auch wenn die Struktur nicht die aufregendste des Jahres war, war hier ein heftiges Gewitter am Werk.

In diesem Stadium war deutlich Rotation der Basis sichtbar  ...

Wir mussten die Verfolgung dann allerdings abbrechen ...

Bilder der Rückseite mit Blick auf das Nördlinger Ries ...

Schnell wurden wir auf einen neuen, sehr mächtigen Aufwind aufmerksam und versuchten diesen Abzufangen. Der Zellkomplex roch förmlich nach Ärger!!

Wir postierten uns in einem neuen Chasegebiet auf einer Anhöhe um wenigstens etwas zu sehen. Es sah zunächst aus als würden wir zu weit südlich stehen. Doch die Zelle schien auszuscheren und uns voll auf den Leib zu Rücken.

Die nachfolgenden Bilder lassen wir unkommentiert :)!

Wir stellten uns unter einer Brücke, die wir uns vorher schon mal vorgemerkt hatten,  unter da wir großen Hagel erwarteten. Bei uns fielen nur einzelne 3cm Körner vom Himmel, 1000m weiter Richtung Ellwangen waren die Felder voll von Hagel einer anderen Größenordnung.

Ein Stück weiter fanden wir einzelne Körner mit bis zu 7,5cm in der Länge und 4-5,5cm in der Breite und Höhe. Wir mussten die Suche wegen einer neuen Zelle mit Naheinschlägen aber rasch abbrechen.

Eigentlich wollten wir anschließend bei Augsburg das Hebungsgebiet, welches die Gewitter über Bayern auslösen sollte, abfangen. Im Vorfeld kreuzten wir nochmals eine sehr verdächtige Zelle. Zum richtigen fotografieren war es aber leider schon zu dunkel.

Nach Fernglasanalyse ein Funnelfake ...

Das war´s auch schon wieder von uns :) ...


Viele Grüße – Anja & Michael


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