Nachtgewitter  + kurzlebige Superzelle mit Wallcloud
(Bericht , 17/18. und 19.August 2006)


Bis zum 17. August sollte es dauern bis wir beide endlich wieder ein paar Leckerbissen zu Gesicht bekommen sollten. GFS und Co. machten uns bereits im einige Tage im voraus den Mund wässrig und deuteten endlich wieder die Möglichkeit zu einem Chasing an. Dabei legten wir es von vorne herein auf ein Nachtgewitter an und verfolgten am Radar den ganzen Tag über die Lage. Die Karten stimmten uns recht mutig, ein paar Bilder machen zu können und so verzogen wir uns am späten Abend bei Dunkelheit auf den Mannaberg um die Lage genauer zu überblicken.

Aus Nordosten wehte uns ein beständiger Nordostwind in den Rücken und nach etwas Wartezeit sahen wir nun erstes Wetterleuchten in Richtung West-Südwest. Nur leider bestätigte sich immer mehr das was wir schon vorher vermutet hatten. Die Zellen waren einfach zu weit westlich und wir beide reichlich verunsichert über das was die das weitere Vorgehen anging. Entgegenfahren, stehen bleiben und auf eine durch den Outflow der Zellen weiter östlich liegende neue Auslöse hoffen?
Es gibt Tage da schreit es einem förmlich ins Gesicht: "Ab nach Westen!!!" und es gibt Tage da fühlt überhaupt nichts, die totale Verunsicherung ...

So blieben wir erstmal stehen und schärften unsere Augen für das auch nur noch so geringe Aufleuchten gegen Westen ...

Unsere Hoffnungen wurden dann aufs neue belebt als sich südlich des Pfälzer Waldes neue Zellen bildeten, deren Blitze zumindest sichtbar waren. Wir entschlossen uns jetzt einfach rüber an die Weinstraße zu fahren um dort etwas von den neuen Zellen mitzubekommen und ein paar Aufnahmen zu machen.

Anfangs klappte es ja zu gut und wir kamen nah genug an die Zellen heran, die direkt über den Bergen des Pfälzer Waldes standen. Jetzt hieß es Standort finden .... nachts in einem fremden Gebiet nicht all zu leicht. Wir wurden auch fündig waren allerdings zu wählerisch am ersten Ort zu bleiben und wurden dafür betraft. Wir fanden nämlich nichts was wirklich besser war und gerieten zusätzlich noch in den Niederschlagsbereich der Zelle. Um dort wieder herauszukommen fuhren wir wieder ein Stück nach Osten und stellten uns an die erste brauchbare Einmündung um Fotos zu schießen.

Hier herrschte ein sehr konstanter Outflow der Zellen aus west bis nordwestlicher Richtung. Sehr interessant waren hierbei die zu beobachtenden Outflowstrukturen der Zellen. Unter jeder Zelle hingen Böenfronten, -walzen und unter einer hatten wir gar den Verdacht das dort eine Shelfcloud vorhanden war. Leider ließ sich das während der Fahrt und durch die geringe Blitzrate der Zelle nicht klären.

Wir blieben bis kurz nach 2 Uhr an der Weinstraße aktiv ohne den wirklich großen Erfolg zu feiern, entweder behinderte Regen oder die zu große Distanz zur Zelle den Weg zu brauchbaren Bildern. Kurz nach 2 Uhr konnten wir dann im fahlen Licht erkennen wie sich von Nordwesten eine beeindruckende Walze in unsere Richtung schob und direkt über uns noch einmal eine Zelle auslöste. Jetzt standen wir wörtlich im Regen und brachen das Ganze ab.

Hier die magere Beute einer langen Nacht mit Böenwalzen und einer Hasenfamilie ;) irgendwo an der Weinstraße ....

Nach viel zuwenig schlaf machten wir uns am 18. August auf den Weg von Wiesloch nach Laupheim. Nach knapp 5 Stunden Fahrtzeit und inklusive über 2 Stunden Stau waren wir erstmal ganz froh über ein wenig Ruhe in der Wetterküche.

Der 19. August versprach wieder sehr spannend zu werden und wir diskutierten ob es wohl richtig gewesen war, hier nach Laupheim zu fahren. Grund hierfür war, dass sich für den Rhein-Neckar-Raum schon sehr früh ein Treffer anbahnte und hier erstmal bangen angesagt war.

Was hier bei Annäherung bzw. bei Durchzug der Kaltfront passieren sollte war noch völlig offen aber mit jeder Stunde stieg die Anspannung und Vorfreude auf das was da kommen würde.

Um kurz vor 18 Uhr trieb uns die Neugier für die Türe und wir fuhren an einen geeigneten Ort um die weitere Entwicklung direkt beobachten zu können. Dort fanden wir einen nicht gerade uninteressanten Wolkenhimmel vor. Richtung ost-nordost ging gerade ein viel versprechender Updraft in die Höhe und westlich von uns lag ein Gebiet mit sehr chaotischer Wolkenstruktur. Was zu diesem Zeitpunkt recht beeindruckend erschien war die an den Wolkenzugrichtungen ablesbare vorhandene Richtungsscherung.

Hier der Updraft ...

Hier der Wolkenhimmel Richtung Westen ...

Uns fiel zunächst ein dunklerer Wolkenbereich Richtung Westen auf, der sich nach einiger Zeit vertiefte und vergrößerte. Es deutete auf einen Aufwind hin und so ließen wir diese erstmal nicht aus den Augen. Gegen 18.40 Uhr begann dann die Show. Das Ganze strukturierte sich in einem rasanten Tempo und wirkte sehr dynamisch. Wir fuhren sofort näher heran und machten einige Bilder.

Hier 2 Bilder während der Fahrt ...

Wir fuhren nun durch ein Waldstück und trauten unseren Augen nicht wie schnell die Entwicklung ablief ...

Bild um 18.45 Uhr ...

Das Ganze wurde nun immer stärker und senkte sich mehrmals bedrohlich weit ab. An unserem nächsten Haltepunkt könnte man zudem eine leichte Rotation erkennen.

Wir fuhren nun so gut es ging mit der Wallcloud mit, die bis ca. 19.15 Uhr eine recht markante Struktur aufwies. Ab dann begann der Outflow eines Schauers das System deutlich zu stören und die Wallcloud löste sich bis ca. 19.25 Uhr auf.

Wir kehrten nun wieder an unseren Beobachtungspunkt zurück und hofften auf eine eventuelle Neuauslöse und ein damit verbundenes Nachtgewitter. Leider reichte es hier nur für einen Schauer im Abendlicht. Die erneute Auslöse der Zellern erfolgte ein gutes Stück östlich in ca. 80 bis 100Km Entfernung. Trotz der langen Distanz zu den Zellen war das Wetterleuchten selbst aus dem Bereich München sehr klar zu erkennen.

Lg. Michael & Anja


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